3 Stufen zur Kontrolle

Aufbrechen — Verändern — Fixieren

3 Stufen um Kontrolle über den Verstand zu erlangen.

Aufbrechen

Um eine Person für eine radikale Veränderung vorzubereiten, muss zuerst seine Realität erschüttert werden. Die Sekte muss der Person die Orientierung nehmen; der Bezugsrahmen für Selbstverständnis und Umgebung muss infrage gestellt und gebrochen werden. Eine Person zu desorientieren kann physiologisch sehr effektiv sein. Der natürliche menschliche Schutz wird dabei entschärft.

Utopische Versprechungen, Love Bombing, Persönlichkeitstests wo der Ruinpunkt bescheinigt wird, Stresstests wo große Probleme ans Tageslicht befördert werden. Die bisherige Realität und das frühere Selbstgefühl werden radikal in Frage gestellt. In der Org wird man mit ausgeklügelten Techniken bombardiert, die nur ein Ziel haben: Menschen so zu verwirren und gleichzeitig zu beglücken, dass ihr Geist aufhört, rational zu funktionieren.

Schlafentzug ist einer der verbreitesten und stärksten Techniken um eine Person zu brechen. Weiters sind hypnotische Prozesse ein mächtiges Instrument zum Aufweichen oder Umgehen der menschlichen Schutzfunktion. Eine besonders wirksame hypnotische Technik ist es Verwirrung/Konfusion zu erzeugen, um einen Trance-Zustand herbeizuführen (Konfusionstechnik). Verwirrung erfolgt üblicherweise, wann immer widersprüchliche Informationen übereinstimmend vermittelt werden. Ein Beispiel hierfür ist:
„Unser Erleben ist natürlich durch die Vergangenheit bestimmt, und wenn wir uns zurücklehnen und zurückblicken, ist die Gegenwart eine Zukunft, die noch zu verändern ist, obwohl diese vergangene Zukunft, die jetzt so unveränderlich erscheint, sich im künftigen Erleben von Vergangenheit vielleicht leichter veränderbar und positiv beeinflussbar zeigt …“
Wenn jedoch eine Person lange genug in dieser kontrollierten Umgebung gehalten wird und solch desorientierende Sprache und verwirrenden Information hört, wird sein kritisches Urteil außer Kraft gesetzt.

Reizüberlastung stört effektiv das Gleichgewicht, und macht eine Person offen für Suggestion. Ein Mensch kann mit emotional beladenen Material bombardiert werden, schneller als er es verdauen kann. Das Ergebnis fühlt sich an, überwältigt zu sein. Der Verstand rastet auf neutral ein, und beendet die einlangenden Information zu bewerten.

Bei der Doppelbindungstheorie (double bind) handelt es sich um ein Kommunikationsmuster, bei dem widersprüchliche Nachrichten gleichzeitig übermittelt werden, zB. „Wenn Sie zugeben, dass es Dinge in ihrem Leben gibt die nicht funktionieren, und dann nicht dieses Seminar nehmen, dann geben sie diesen Dinge Macht ihre Leben zu kontrollieren.“
Mit anderen Worten, nur das sie hier sind beweißt, dass sie unfähig sind das zu beurteilen.

In diesem Stadium des Aufbrechens/Auftauens, wenn die Menschen Schwäche offenbaren, bombardieren die meisten Sekten sie mit der Idee, dass sie voller Fehler sind, inkompetent, psychisch krank oder spirituell gefallen sind.

Unzählige dieser psychologische Manipulationstechniken kommen bei destruktiven Gruppen zum Einsatz, um die Persönlichkeit aufzuweichen und zu destabilisieren.

Von allen rund 70 überhaupt bekannten Psychotechniken setzt Scientology fast 90 Prozent ein.

Verändern

Veränderung besteht darin, eine neue Sekten-Identität dem Neuling aufzuerlegen; eine neue Reihe von Verhaltensweisen, Gedanken und Emotionen. Diese Indoktrinierung erfolgt zweifach – formell (Seminare) und informell (durch die Zeit mit Mitgliedern, Sehen, Lesen und Hören von Audiogeräten und DVD’s). Ständige Wiederholung, Monotonie und Rhythmus sind die einschläfernden und hypnotischen Schritte in welche die Indoktrinierung stattfindet. Das Material wird immer wieder und wieder durchgenommen.
Trainingsrouten sind hypnotisch, trance-induzierend und damit wird man empfänglicher für jegliches Material, dem sie anschließend in dem Kursraum von Scientology ausgesetzt werden.
Im Scientology Kommunikationstraining lernt man zB. einer anderen Person über zwei Stunden lang intensiv in die Augen zu schauen. Bei anderen Übungen muss man über Stunden die Augen schließen und immer wieder die gleiche Geschichte aus seiner Vergangenheit erzählen. Beim „Bull Baiting“ muss man sich stundenlang beleidigen lassen, ohne aus der Fassung geraten zu dürfen. Sich unendlich lang von einer Person von Wand zu Wand führen lassen und seine Anweisungen ausführen, oder auch einen Aschenbecher anbrüllen oder ihm Befehle zu erteilen gehört ebenfalls dazu.
Der Effekt ist eine Art hypnotische Trance, in der sich Träume und Realität vermischen. Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken – alles wird bei den ersten Übungen des scientologischen Trainings extrem gedämpft. Schon nach erster Zeit erlebt man Halluzinationen, weil das Gehirn beginnt, sich seine eigenen Reize künstlich zu schaffen, seien sich auch noch so irreal.
Damit beginnt der Indoktrinationsprozess – zunächst in homöopathischen Dosen, um die Reste des kritischen Verstandes nicht herauszufordern. Mit schleichenden Gift wird der Einsteiger in die Sekte gezogen.
Weiter geht es mit der zentralen Psychotechnik „Auditing“. Sie ist das entscheidende Verfahren um den Menschen zu verändern. Hier wird das neu gewonnen Mitglied im Verhör erst zum gläsernen Menschen und anschließend neu zusammengesetzt, sein Kopf suggestiv mit neue Verhaltensweisen, Denkweisen und Emotionen gefüllt.
Neue Mitglieder fangen nach und nach an, im Auditing ihre eigene Vergangenheit umzudeuten und schöne Dinge zu vergessen. Schließlich glauben sie, was man immer wieder einbläut: Die Gruppe sei besser als die anderen dort draußen (Elitebewusstsein), wie unaufgeklärt doch Außenstehende sind, sie hätten keine Ahnung ihr Leben zu verbessern, erst seit sie mitmachen, hätten sie die Chance gerettet zu werden und die Welt zu retten. Die Außenwelt erscheint als Böse, gegenüber dem rettenden Konzept des Gründers. Selbstständiges Denken schwindet, je mehr die abstruse Science-Fiction-Ideologie in die Köpfe dringt.
In jeder Sitzung erfährt die Person von neuen Defiziten, die durch weiteres Auditing beseitigt werden müssen. Jeder Kurs zieht einen weiteren nach sich, ein Teufelskreis ohne Ende. Ohne es zu bemerken, wird das Selbstwertgefühl zerstört. Aber man interpretierst es sogar als Bewusstseinerweiterung und schreibt Erfolgsgeschichten darüber.
Hat die Indoktrination angeschlagen und der Mensch gelernt, im Sinne der Sekte zu denken und zu fühlen, wird er geistig versiegelt. Der „neue Mensche“ wird geboren; er muss sein altes Selbst verleugnen und bekommt eine neue Sekten-Identität verpasst.

Fixieren

Nachdem die Person gebrochen und in das neue Glaubenssystem indoktriniert wurde, erfolgt der Aufbau und die Stabilisierung der neuen Sekten-Persönlichkeit. Ein neuer Sinn im Leben und neue Aktivitäten müssen der neuen Identität vermittelt werden um die Person zu festigen. (zB. die Brücke zur totalen Freiheit hochzugehen, gegen die bösen Psychiater zu kämpfen)

Schuldbekenntnisse sind ein weiterer Weg um die Vergangenheit auszulöschen und den Menschen an die Sekte zu binden. Die Gruppe formiert sich als neue „wahre“ Familie, jede andere ist nur seine antiquierte „materielle“ Familie. Nach und nach wird der Druck erhöht, um neue, immer teurer werdende Seminare zu kaufen und horrende Summen zu spenden. Das dient zwei Zwecken, abgesehen davon die Sekte reich zu machen. Das investierte Geld kettet die Person regelrecht an das neue Glaubensystem, und es wäre zu schmerzlich diesen Fehler zugeben zu müssen. Außerdem macht es das finanzielle Überleben in der Außenwelt schier unmöglich, sollte die Person jeweils in Erwägung ziehen, die Sekte zu verlassen.

Das neue Mitglied wird in der Regel so schnell wie möglich zur Missionierung geschickt (zB. Dianetik-Buchverkauf). Nichts unterstützt das neue Glaubensystem so sehr, wie die Ideologie anderen Personen zu verkaufen. Neue Mitglieder zu rekrutieren festigt die Sekten-Identität auf rasche Weise.

Bis der Tag kommt, an dem dem Mitglied vertraut werden kann, um Neulinge selbst zu trainieren. Folglich wird das Opfer zum Täter, um das zerstörerische System weiterzuführen.

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