Die 4 Bauteile

Kognitive Dissonanz

Grundlegend für das Verständnis von Bewusstseinskontrolle ist die Theorie von der Kognitiven Dissonanz. (L. Festinger, 1950). Nach Festinger versucht der menschliche Geist stets Verhalten, Gefühle und Verstand in Übereinstimmung miteinander zu bringen. So sucht man z.B. auch für falsche Handlungen eine Erklärung zu finden (Rationalisierung). Zu starke Diskrepanz zwischen Verhalten, Gefühlen und Verstand versucht der Mensch dadurch auszugleichen, dass er die Komponenten entsprechend (nach Möglichkeit) anpasst.
Dass die Gedanken das Handeln beeinflussen, dürfte unmittelbar einleuchten; jedoch begründet diese Theorie auch den umgekehrten Vorgang. Wenn man das Verhalten eines Menschen verändert, so ändern sich auch seine Gedanken und seine Gefühle.

– Verhaltenskontrolle
– Gefühlskontrolle
– Gedankenkontrolle
– Informationskontrolle

 

Verhaltenskontrolle

Trainingsrouten (wie in „3 Stufen zur Kontrolle“ beschrieben) sind ein unglaublich wirksames Instrument um das Verhalten zu verändern. Stundenlange, sich wiederholende monotone Tätigkeiten lassen den Geist abstumpfen. Weiters ist die Ethik von Scientology ist ein sehr gut ausgearbeitetes System um Veränderung herbeizuführen. Die Befehlsketten in autoritären Sekten gehen vom Anführer über hochrangige Mitarbeiter bis hin zum einfachen Mitglied. In solch einer streng regulierten Umgebung kann das Verhalten belohnt oder bestraft werden. Bei guter Leistung (guter Statistik) Lob, bei schlechter Leistung öffentliche Bestrafung und Wiedergutmachung.

Kontrolle der Umgebung, der Kleidung, dem Essen, dem Tagesablauf oder wie viel Schlaf man bekommt (alles Dinge die man in der Sea Org vorfindet), sind weiters wirksame Methoden das Verhalten von Menschen zu beeinflussen. In destruktiven Gruppen gibt es immer etwas zu tun; Ziele und Aufgaben müssen geschafft werden, auch wenn es bis tief in die Nacht hinein geht. Einen Menschen seines Schlafes zu berauben, ist eine sehr wirksame Methode, ihn angreifbar und formbar für weitere Bewusstseinskontrolle zu machen.

Gefühlskontrolle

Schuld und Angst sind notwendige Werkzeuge um Menschen unter Kontrolle zu behalten. Sektengründer L. Ron Hubbard schrieb in die Einführung der Ethik von Scientology – „Die Ausschließung von Scientology bedroht Sie mit ewiger Vergessenheit“. Oder auch „Es ist ein Schwerverbrechen, sich öffentlich von Scientology loszusagen.“

Schuld ist wahrscheinlich der wichtigste emotionale Hebel zur Herstellung von Angepasstheit und Fügsamkeit. Schuld über vergangene Handlungen (Sünden) oder soziale Schuld (Psychiatrie tötet, und wir tun nichts dagegen) werden von der Sekte ausgenützt. Angst wird benutzt um die Mitglieder auf zwei Wegen zu binden. Einerseits die Erschaffung eines Feindes (Psychiater, Psychopharmaka, unterdrückerische Personen – SP’s) die einen verfolgen; Angst was passieren könnte, wenn diese künstlich erschaffe Bedrohung nicht schnellstens ausgeschaltet wird. Andererseits Loyalität und Hingabe. Mitgliedern ist es nicht erlaubt, negative Emotionen zu zeigen, ausgenommen gegen Feinde. Es wird ihnen erzählt, niemals für sich selbst etwas zu empfinden oder eigene Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen. Immer muss das Wohl der Gruppe absolute Priorität eingeräumt werden und man darf sich niemals beschweren. Der Wille der Gruppe steht über dem Willen des Einzelnen – das Individuum wird gleichsam hinweggefegt.

Beichten von vergangen Sünden oder falschen Verhalten (wie im Auditing) ist weiters ein mächtiges Element von Gefühlskontrolle. Hat man öffentlich gestanden, ist die alte Sünde nur selten vergeben oder vergessen. Kurz nachdem die Person „aus der Reihe tanzt“ (out-ethics), wird sie wieder zu Tage befördert und dazu verwendet, das Mitglied wieder zum Gehorsam zu manipulieren.

Jeder der sich in einer Sekten-Beicht-Sitzung wieder findet, soll dies als Warnung dienen: „Denkt daran, alles was Ihr sagt, kann und wird gegen Euch verwendet werden.“ Dieser Baustein wird gegen Mitglieder verwendet werden, man wird sie damit erpressen, wenn sie mit der Sekte brechen wollen.

Die mächtigste Technik für Gefühlskontrolle ist dem Gläubigen eine Phobie zu indoktrinieren. Die Menschen haben Panik davor die Gruppe zu verlassen – Schweißausbrüche, Herzrasen, blanke Angst. Man erzählt ihnen, wenn sie die Gruppe verlassen, dann werden sie der bösen Außenwelt schutzlos ausgeliefert sein, sie würden verrückt oder drogenabhängig werden.

Die größte Angst jedes indoktrinierten Scientologen ist es, aus Scientology hinausgeschmissen zu werden. Nicht umsonst sind die Schriften von Hubbard voll von Geschichten über Menschen, die krank oder verrückt werden oder sterben, nachdem sie Scientology verlassen haben. Somit erträgt der Scientologe jede Form von Ethik-Misshandlung, da er indoktriniert wurde zu glauben, dass jede ihm zugeteilte Bestrafung nichts im Vergleich zu dem ist, was er erleiden müsste, wenn er von Scientology ausgeschlossen würde.

Gedankenkontrolle

Redefinierte Sprache – von allen heute existierenden Sekten hat Scientology eines der kompliziertesten Systeme redefinierter Sprache. Da Sprache die Bilder erstellt, wie wir denken, helfen bestimmte Wörter die Gedanken zu kontrollieren. So wird die menschliche Denkfähigkeit umgangen. Weiters hilft die Sprache den Anhänger sich speziell zu fühlen und trennt sie von der Allgemeinheit.

Das Wort „entheta“ bedeutet für den Scientologen (chaotisch, verwirrt). Folglich, wenn ein Scientologe mit Informationen, die gegen Scientology sind konfrontiert wird, kommt ihm sofort das Wort „entheta“ in den Sinn und er wird die Informationen nicht untersuchen und kritisch darüber nachdenken, weil das Wort „entheta“ seine Fähigkeit dies zu tun, kurzgeschlossen hat.

Gläubige Scientologen werden darauf trainiert, jede Information welche kritisch gegenüber der Gruppe ist zu blocken und diese nicht zu glauben. Der typische menschliche Schutzmechanismus ist verdreht und so wird die Kultidentität verteidigt; zB. durch:

– Verleugnung (Was du da sagst geschieht gar nicht)

– Rationalisierung (Das passiert aus einem guten Grund)

– Zurechtweisung (Wir tun doch soviel Gutes für die Welt)

Eine Information welche das Mitglied als negativ wahrnimmt, ist wie ein Angriff auf die Doktrin, oder die Gruppe selbst, und eine ablehnende Wand fährt hoch.

Eine andere Methode, um kritisches Denken über Scientology schon im Ansatz zu verhindern, ist der Person zu erzählen, dass kritische Gedanken zeigen gleichbedeutend ist, als gegen die Gruppe gesündigt zu haben. Auf scientologisch heißen diese Sünden „Overts“ und das Verschweigen „withholding“. Wenn jemand kritisch wird oder austreten will, wird er endlosen Verhören, so genannten Sicherheitsüberprüfungen „security checks“ ausgesetzt, wo er alle overts und withholds gestehen muss. Es wird für ihn bald einfacher, von vornherein keine kritischen Gedanken mehr zu haben, so das man nicht durch diese Überprüfungen muss, welche sehr unangenehm werden können

Bei der Gedankstopp-Technik wird den Mitgliedern erzählt, dass es ihnen helfen werde spirituell zu wachsen oder das sie leistungsfähiger werden. In Wahrheit werden sie noch mehr von der Gruppe abhängig. In der Tat, wenn ein Mensch nur mehr fähig ist, positiv über die Gruppe zu denken, dann steckt er mit Sicherheit sehr tief fest.

Da die Doktrin perfekt ist und der Anführer perfekt ist, wird jedes Problem das auftritt, die Schuld jedes einzelnen Mitglieds sein. Man lernt immer die Schuld bei sich selbst zu suchen, und noch härter für den spirituellen Pfad zu arbeiten (noch mehr Auditing, noch mehr Aufopferung, noch mehr Geld investieren). Gedankenkontrolle kann sehr effektiv jedes Gefühl blocken, das nicht mit der Doktrin der Gruppe übereinstimmt. Es dient auch dazu, das Sekten-Mitglied als gehorsamen Sklaven zu halten.

Informationskontrolle

Der menschliche Geist braucht Informationen, um richtig arbeiten zu können – sie sind der Treibstoff. In vielen totalitären Sekten haben die Mitglieder minimalen Zugang zu Zeitungen, TV und Nachrichten. Was sie lesen ist primär von der Sekte generiertes Propaganda-Material, oder Information die zensiert wurden um den Mitglieder zu „helfen“ fokussiert bei der Sache zu bleiben.

Diese Kontrolle erstreckt sich auch über alle Beziehungen. Menschen in der Sekte dürfen untereinander nicht kritisch über den Anführer, die Doktrin, oder die Organisation reden. Mitglieder müssen einander ausspionieren und sofort nicht dienliche Tätigkeiten oder Kommentare melden (Wissensberichte). Am wichtigsten ist es, den Mitgliedern jeden Kontakt zu Aussteigern, Kritikern und kritischer Berichterstattung zu verwehren.

Informationen werden gewöhnlich gegliedert, um dem Mitglied das ganze Bild vorzuenthalten. Es wird nur so wenig erzählt wie möglich. So weiß ein Mitglied der Sekte in Österreich nichts über Skandale, TV-Enthüllungen, zerstörte Familien und Existenzen in einem anderen Land, geschweige denn auf einem anderen Kontinent. Auch die Lehre von Scientology wird löffelweise erzählt bzw. es muss teuer erkauft werden. Würde alle Konzepte offen liegen würden zu viele sofort am Beginn aussteigen. In kleinen homöopathischen Dosen wird das Gedankengift injiziert.

Verhaltenskontrolle, Gefühlskontrolle, Gedankenkontrolle, Informationskontrolle – jede einzelne Form dieser Kontrolle hat große Macht und Einfluss auf den menschlichen Geist. Zusammen formen sie ein totalitäres Netz, welches selbst den stärksten menschlichen Geist zu manipulieren vermag.

Unzweifelhaft kontrolliert Scientology alle vier!

Quellen:

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